Dialog – Syntax und Semantik

Posted in: , - Oct 29, 2010 No Comments
Wenn Tango ein Dialog zwischen Menschen ist, dann bedeutet dies, das der Tango eine Sprache ist. Daher folgt der Tango, wie alle anderen Sprachen, einer eigenen Syntax und Semantik.

Gleichzeitig ist die Sprache des Tango universell, sie kann von jedem verstanden werden, der sich Tango anschaut oder tanzt. Das Tanzpaar folgt den musikalischen Phrasen und bildet mit seinen Bewegungen, nicht nur der Füße, sondern des ganzen Körpers, einzelne Sätze. Schrittfolgen und Bewegungen unterliegen, ähnlich wie der Sprache, keinen festgelegten Formen und Kombinationen, sondern können immer wieder neu kombiniert werden. Ähnlich wie bei der Sprache lassen sich aber nicht alle Elemente des Tangos beliebig miteinander verknüpfen, auch sie unterliegt einer Syntax, um den Tanzfluss und Natürlichkeit zu erhalten.

Einer Erzählung ohne Satzzeichen, wie Punkt und Komma, könnte jeder Zuhörer nur schwer folgen, da er gezwungen wäre, alle erhaltenen Informationen selbständig in logische Einheiten zu unterteilen. Das Bilden von abgeschlossenen Sätzen und Nebensätzen, verbal ausgedrückt durch kleine Pausen und fallende Intonation, erleichtern den Verständnisprozess und sind ein wesentliches Element von Sprachen. Gleichzeitig geben Satzpausen dem Zuhörer die Möglichkeit, zu antworten, also mit dem Sprecher in einen Dialog zu treten. Ähnliches passiert beim Tango. Innerhalb des Tanzflusses helfen kurze Pausen oder die Reduzierung von Bewegungen den Tanzpartnern, Verständnis und Einsicht über den anderen zu erhalten. So erkennt die Frau, wohin der Mann sie führen will und der Mann, wann eine Frau mehr Zeit oder Raum benötigt für ihre Bewegungen. Gleichzeitig haben Pausen den Effekt, vorherige Bewegungen nachträglich zu unterstreichen.

Der Impuls ist eine wichtige physikalische Bewegungsgröße. Er beschreibt die Bewegung der Masse, also ihren Schwung. Impuls ist eine Vektorgröße, d.h. er hat neben einem Wert auch eine Richtung.

Der Dialog erfolgt direkt durch den Energiefluss der Oberkörper, im geschlossenen Kreis der Umarmung. Da die vielen verschiedenen Figuren und Bewegungen des Tangos nicht alle die gleichen, sondern unterschiedliche Positionierungen der Oberkörper erfordern, kann das Tanzpaar selber entscheiden, ob es eng umschlungen oder mit etwas mehr Abstand tanzen will. Wichtig aber ist aber die Körperspannung, die das Senden-Empfangen der Impulse ermöglicht. Im Gegensatz dazu bleiben die Beine und Füße entspannt und flexibel, jederzeit bereit auf den neuen Impuls der Oberkörper zu reagieren. Während des Tanzes leitet der Mann über seinen gespannten Oberkörper die Impulse weiter, die seiner Partnerin Aufschluss geben über die Richtung und die Art der Bewegung. Die Frau folgt ihrem Tanzpartner in ihren eigenen Schritten und wendet sich dann wieder der Achse des Herren und schließt ihre Füße, um in eine stabile Position zurück zu kommen, um den Impulsen ihres Partners erneut folgen zu können.

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