Der Kontrapunkt

Posted in: , - Oct 25, 2010 No Comments

Der Kontrapunkt ist essentiell für den Tango. Er wurde von dem argentinischen Bandeonspieler und Komponisten Astor Piazzolla in den Tango eingeführt und revolutionierte sowohl die Musik als auch den Tanz.

Der Kontrapunkt (von lat. punctus contra punctum = „Note gegen Note“) ist in der Musiktheorie ein Begriff mit mehrfacher Bedeutung. Oft wird er auch mit dem Begriff Polyphonie gleichgesetzt. Er bezeichnet die Technik Gegenstimmen zu gegebenen Tonfolgen zu entwickeln, die einen harmonisch sinnvollen Zusammenhang bilden und gleichzeitig ihre Eigenständigkeit erhalten. Diese Technik ist ähnlich zu verstehen wie die der impressionistischen Maler, die, um einen bestimmten Farbeindruck zu erzeugen, die Farbe nicht auf ihrer Palette mischten, sondern direkt auf der Leinwand, so dass sich der gewünschte Farbeffekt erst beim Betrachten der Leinwand aus den verschiedenen Farbtupfen zusammen mischte.

Das gleiche Prinzip findet sich im Tango wieder. Das Musikstück ist eine Linie, die eine bestimmte Tonalität und Dramaturgie transportiert. Dazu kommt eine weitere Linie, der Tanzfluss, der sich eigenständig entwickelt und dessen emotionaler Ausdruck variabel und individuell ist. Er entwickelt sich in jedem Tanz von Neuem – geprägt von Emotionen, persönlichen Hintergründen und weiteren Außenfaktoren. Da der Tango keiner festen Choreographie und Regeln unterliegt, kann sich der Tanz selbst bei gleicher Musik jedes Mal neu entfalten.

Diese zwei voneinander unabhängigen Linien, Musikstück und Tanzfluss, ergeben eine neue Harmonie, einen komplexen visuell-akustischen Sinneseindruck. Der Tangotanz ist nicht nur eine sensorische Übersetzung der Musik, sondern Ausdruck der eigenen persönlichen Empfindung dieses Moments des Tanzens.

Aus gestalterischer Sicht bin ich in meiner Installation diesem Prinzip gefolgt. Die beiden Linien, Tanzfluss und Musikstück, werden jede für sich visualisiert, so dass man sie einzeln oder gleichzeitig betrachten kann. Die gewählte grafische Darstellung spiegelt die Charakteristika der jeweiligen Linie wieder. Akzente, sowohl in der Musik als auch dem Tanz, werden in der Visualisierung bewusst verstärkt, um die Parallelen zwischen Tanz und Musik zu unterstreichen.

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