Was ist wichtig für Tango?

Posted in: , - Oct 06, 2010 No Comments
Nach der Festlegung der Hauptparameter der Bewegung, kann nun untersucht werden, welche Zusammenhänge der Parameter sinnvoll sind für die visuelle Darstellung des Tango. In meinen Augen gibt es vier Aspekte, die Ausdruck und Fluss des Tanzes prägen, Bewegungsmoment, Körperform, Bewegungsbahn (Belegung des Raums) und Kontraste oder Abweichungen.

Bewegungsmoment


In diesem Ausschnitt wird die Visualisierung
der Bewegungsmenge getestet.

Für den Bewegungsmoment ist entscheidend, welche Bewegung passiert, wieviel Bewegung es gibt und wie sie sich sich im Raum verteilt. Es geht nicht um die Form, also eine konkrete Tanzfigur, sondern um die Menge und andere Eigenschaften von Bewegung. Im Tango sind viele Bewegungsformen möglich, wenig Bewegung, wie eine leichte Fußbewegung, ein kleiner Schritt, viel Bewegung wie Drehungen des ganzen Körpers, aber auch Pausen, also keine Bewegung. Der Bewegungsmoment wird berechnet als Produkt von Masse und Geschwindigkeit. Der Bewegungsmoment ist ein Impuls, eine Vektorgröße, d.h. er hat neben einem Wert auch eine Richtung.

Velocity and Acceleration

Eine weitere physikalische Größe der Bewegung ist ihre Geschwindigkeit, unter Geschwindigkeit verstehen wir die Strecke (Positionsdifferenz der Barycenter), die das Tanzpaar innerhalb einer bestimmten Zeit zurücklegt (1/30 Sekunde, 1 Bild). Die Geschwindigkeit wird über den Parameter Velocity erfasst. Doch die Geschwindigkeit variiert innerhalb des Tanzes. Die Be- und Entschleunigung des Tanzes, auch Acceleration genannt, ist eine weitere Vektorgröße, hat also auch eine Richtung.

Translation in der Bewegung

Die Bewegung kann auf der Stelle, also ohne Veränderung der Körperposition, oder in eine bestimmte Richtung, auf gerader Linie oder in einer Kurve erfolgen. Die Relation zwischen Bewegungsmenge und und Positionsveränderung wird über den Translational Index (T.Index) erfasst. Je höher der gemessene Wert, desto mehr Veränderungen der Körperposition gibt es. Niedriege Werte des T.Index können auf Fußverzierungen oder Rotationen im Tanz hinweisen, also auf Bewegungen auf der Stelle.

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Körperform

Im Tango ist die Form der Oberkörper relativ statisch, da die Umarmung des Tanzpaares meist unverändert bleibt. Mit Veränderung der Körperform ist die Bewegung des Unterkörpers gemeint. Die Analyse der Körperform verrät viel über die Form der Bewegungen, z.b. synchrone Schritte, Adornos oder Abschlussphasen von Schrittsequenzen und Tanzfiguren. Diese bestehen aus einer Reihe von Schritten, die frei kombiniert werden können und meist mit einer kleinen Pause enden, um die Körperachsen vor dem Beginn der folgenden Schrittsequenz oder Figur zu synchronisieren.

Compactness

Test der Visualisierung von Compactness:
je weiter die Körperteile vom Körper, desto
größer die Kreise.

Die Silhouette des Tanzpaares, der Blob, hat bestimmte Formeigenschaften, ihre Fläche (Area) und das Maß der Kontur(Perimeter). In einer linearen Bewegung wie dem Laufen verändert sich die Form des Blobs durch die Bewegung der Beine. Die Werte Perimeter und Area verändern sich bei der Erfassung dieser Bewegung fast gleich. Gibt es im Tanz aber Fußverzierungen verändert sich der Wert Area nur wenig, wohingegen der Wert Perimeter stark ansteigt. Bei Drehungen verhält es sich genau umgekehrt, es kommt zu einer Kürzung der Form, der Area-Wert verändert sich sehr stark, der Perimeter Wert verändert sich mal stärker mal weniger stark, abhängig davon, wie eng die Füße am Körper gehalten werden. In der Figur Giros z.B. sind die Füße weiter entfernt vom Körper, der Perimeter Wert steigt, bei Voleos sind die Füße in geschlossener Haltung, der Wert verändert sich nur wenig. Das Verhältnis von Perimeter und Area ergibt einen weiteren Parameter, genannt Compactness, der einen Wert von 0 bis 1 haben kann. Je höher der Wert, desto kompakter die Form, d.h. desto enger ist die Körperhaltung des Tanzpaares.

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Bewegung im Raum

Der Directness.Index (D.Index) erfasst die Geradlinigkeit der Bewegung, im weiteren Verlauf Trajektorie genannt, innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Nehmen wir als Beispiel die Trajektorie der letzten 1.5 Sekunden. Sie besteht aus den Koordinaten X und Y des Barycenters (25 Koordinate/ Sekunde), die Summe dieser Abschnitte ergibt eine Länge L. Der Abschnitt AB zeigt die Länge des Weges, wenn man diese Translation im Raum direkt durchführen würde. D.Index ist die Proportion zwischen diesen zwei Größen. Auch dieser Wert liegt zwischen 0 und 1. Je höher der Wert umso geradliniger die Bewegung. Der T.Index Parameter zeigt die Verteilung der Bewegung auf der Trajektorie. Die Barycenter-Koordinaten und diese zwei Parameter zeigen die Belegung des Raumes durch das Tanzpaar und die Verteilung der Bewegung.

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Akzente und Kontraste

Jeder Tänzer hat seinen eigenen Stil und bestimmte Bewegungen oder stilistische Mittel des Selbstausdrucks, die er im Tanz verwendet. Intonationswechsel und Pausen sind dafür typische Techniken. Sie unterstreichen die Dramaturgie der Musik und geben Raum für den eigenen Ausdruck. Es entsteht ein Kontrast zwischen Bewegung und Pause, also Abweichungen vom durchschnittlichen Tanzfluss in der Bewegungsmenge und in der Körperform. Diese Werte erfasse ich über zwei zusätzliche Parameter: Perimeter Contrast und Motion Quantity Contrast.

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