Zwei Leidenschaften

Posted in: - Oct 31, 2010 No Comments
Zwei Leidenschaften – Tango und digitale Medien.
Für diese Diplom-Arbeit ist es mir gelungen, meine beiden großen Leidenschaften miteinander zu verbinden. Den Tango Argentino, einen Tanz der gleichermaßen geprägt ist durch Improvisation und Ausdruck, und mein Interesse und meine Neugier an interaktiven Installationen, deren Relevanz in unserer heutigen Gesellschaft täglich zunimmt.

Tango Argentino hat mich schon immer fasziniert. Auf der Suche nach einem Thema für meine Diplomarbeit, habe ich mich eingehend mit der Frage beschäftigt, was genau mich am Tango Argentino so fasziniert. Meine Installation „kontrapunkt“ versucht eine Antwort auf diese Frage zu geben und die Faszination des Tango auf eine andere Art auch für andere visuell erlebbar zu machen.

Seit knapp einem Jahr beschäftige ich mich intensiv mit diesem Tanz, seinen Techniken, seiner Ausübung, aber auch seiner Geschichte seiner sozialen Funktion. In dieser Zeit habe ich mir ein detailliertes Bild über den Tango Argentino machen können und die für mich essenziellen Aspekte des Tanzes erfasst. Da ist die Vielfalt der Emotionen, die über den Tanz, bestimmte Schritte in Kombination mit der Musik, ausgedrückt werden und die mich beim Tanzen immer wieder von neuem überraschen. Der Tango Argentino entwickelt eine Dynamik und Energie, die sich ganz nach dem Inneren des Tänzers ausrichtet und keine nach außen gerichtete Selbstinszenierung zulässt. Tango Argentino zu tanzen bedeutet für mich das Menschliche, das Natürliche und das Persönliche nicht neu kennenzulernen und zu formen, sondern zu leben.

Bei vielen Tanzpaaren, denen ich im vergangenen Jahr in der Tanzschule und den Tanzabenden, sogenannten Milongas, begegnet bin, konnte ich beobachten, dass die Ausdrucksfähigkeit und Improvisationskraft, die dem Tango Argentino innewohnt, durch eine sportliche Routine ersetzt wurde. Das einstudierte Repertoire, jahrelange Erfahrung, oft mit einem langjährigen Tanzpartner, erinnern an das Abspulen eines Autopiloten, der mehr oder weniger losgelöst von der Musik, sein Programm wiedergibt. Doch meine eigene Erfahrung hat mich gelehrt, dass die Interpretation der Musik durch das Tanzen keine virtuose Tanztechnik erfordert, sondern nur das Zuhören und das Zulassen der eigenen Emotion.

Diese Beobachtung hat mich dazu bewegt, meine ursprüngliche Projektidee, die Visualisierung des Tango Argentinos zu überdenken und zu erweitern. Anstatt einer einfachen Visualisierung von Bewegungen habe ich eine Installation entwickelt, die Tänzer und Zuschauer gleichermaßen auf die eigene Ausdrucks- und Interpretationsfähigkeit beim Tanzen aufmerksam macht.

Installation

Ich habe verschiedene Parameter und Visualisierungsmuster erarbeitet, um den Tango auf bestimmte Aspekte zu untersuchen. Dabei geht es nicht um die Bewertung der Tanztechnik. Die festgelegten Werte und Parameter sollen dazu dienen, physikalische und mathematische Gesetzmäßigkeiten, soweit diese im Tanz- und Musikfluss entstehen, darzustellen und erkennbar zu machen.

Mathematik ist die schönste der abstrakten Künste, Physik bestätigt das mit den besten Beispielen.

Mein Vater

Die Installation besteht aus mehreren miteinander verbundenen Modulen wie Bewegungserfassung (Motion Tracking) und Datenanalyse, um die Performance visuell lesbar zu machen.

Die Bewegungen der Tänzer werden von einer Kamera im Infrarot-Modus (IR) erfasst, die auf einer Höhe von ca, 4.5m installiert ist. Die durch das Tracking erfassten Daten geben Aufschluss über die diversen Aspekte des Tanzflusses wie Körperform, Bewegungsmoment, Dynamik der Bewegung im Raum oder Akzente und Hervorhebungen. Grundsätzlich können die erfassten Daten in zwei Modis ausgewertet werden, in Echtzeit direkt als Projektion im Raum und in Echtzeit oder als Simulationsmodus.

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